Carrier IQ beschuldigt HTC - erste Klagen in den USA

Carrier IQ beschuldigt HTC - erste Klagen in den USA
06.
12. 2011
Die Affäre um die Spionage-Software des US-amerikanischen Start-Ups Carrier IQ zieht immer weitere Kreise. Die Software soll weltweit auf mehr als 141 Millionen Smartphones laufen. In den USA gibt es inzwischen erste Sammelklagen. Carrier IQ schob die Verantwortung für den Eklat inzwischen dem taiwanesischen IT-Konzern HTC zu.

Mit Dementis, die Spionage-Software jemals geordert respektive missbräuchlich eingesetzt zu haben, sind derzeit zahlreiche Smartphone-Hersteller und Provider beschäftigt. Bisher erklärte lediglich Apple, das Programm auf iOS 4-Geräten installiert zu haben - unter iOS 5 spiele Carrier IQ jedoch keine Rolle mehr und würde demnächst durch ein Software-Upgrade vollständig entfernt.

USA: Sammelklagen gegen Hersteller, Provider und Carrier IQ

In den USA wurden nach Berichten des IT-Blogs "Boy Genius Report" (BGR) und anderer Medien inzwischen diverse Sammelklagen gegen die Hersteller HTC, Motorola und Samsung, die Provider AT&T, Sprint und T-Mobile sowie die Entwicklungsfirma Carrier IQ eingereicht. Auch in Deutschland beschäftigt der Skandal inzwischen die Datenschützer und Behörden - Spuren des Programms wurden hierzulande unter anderem auf Samsung-Mobilgeräten gefunden. Abgesehen von Apple gab es hierzulande bisher keine offiziellen Branchen-Statements zu Carrier IQ.

Einige Android-Entwickler mahnten unterdessen eine etwas differenziertere Betrachtungsweise an: Laut dem US-amerikanischen Hacker Dan Rosenberg sammelt das Programm tatsächlich nur aggregierte Anwendungs-Daten. Der IT-Sicherheits-Spezialist "Lookout" gestand Carrier IQ immerhin zu, dass seine Software tatsächlich zur Optimierung der Mobilfunk-Nutzung dient. Offen bleibt allerdings die Frage, welche Unternehmen zu welchen Zwecken mit der Software Daten eingesammelt haben.

Carrier IQ: Die Software wurde nur wegen HTCs Stümperei gefunden

Nach einem Bericht des US-amerikanischen IT-Portals "The Verge" verwahrte sich Carrier IQ inzwischen offiziell gegen die Anschuldigung, mit seiner Software sensible Daten auszuspähen. Nach eigenen Angaben sammelt das Unternehmen lediglich Daten über System-Abstürze oder abgebrochene Telefonate, mit denen die Provider ihren Service optimieren können.

Gleichzeitig erhob Carrier IQ etwas skurrile Vorwürfe gegen HTC: Eigentlich seien die Taiwanesen verantwortlich für das Debakel, da sie das Carrier IQ-Rootkit auf einem ihrer Smartphones offen zugänglich installiert hatten,  anstatt die Software tief in das Betriebssystem zu implementieren. Der Android-Entwickler Trevor Eckhart hatte die Schnüffel-Software letzte Woche auf einem Android-Telefon von HTC gefunden. HTC selbst hatte bereits letzte Woche angegeben, keine direkte Geschäftsbeziehung mit Carrier IQ zu unterhalten und betonte, die Software ausschließlich auf Wunsch der Providerfirmen zu verwenden.

 
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Markus Lampel
06.12.2011
Carrier IQ, Spionage-Software, HTC, Google Android, Smartphones, Klage, Samsung, Motorola

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